| Zitate aus einem Gespräch mit Peter Lindbergh |
| "Also ich finde, in Paris verstehen sich nicht nur die Fotografen selber mehr als "Künstler", sondern auch die Agenturen. Die sehen dich als Künstler. (..) Die respektieren dich, die wollen deine Arbeiten, die wollen hören, was du dir selbst überlegt hast. Sonst gehen die zu einem anderen. In Deutschland dagegen bist du mehr sowas wie ihr Handwerker, der etwas ausführen soll. Na ja, vielleicht nicht ganz so krass, aber man kommt mit einer Vorstellung zu dir, die du realisieren sollst. Und man legt nicht so viel Wert auf deine eigene Vorstellung." |
| "Die Modelle suche ich grundsätzlich selber aus, und das ist auch das Wichtigste. Wohl 80% von der Arbeit machen die Modelle aus, und kein Kunde kann dir ein Modell vorschreiben, denn wenn du dafür kein Auge hast und du deshalb nicht fotografieren kannst, bekommt der Kunde schlechte Fotos. Sowas kommt in Paris nicht vor. Nie würde dir jemand Vorschriften machen, selbst wenn sie das Mädchen für nicht richtig halten, würden sie es dir nicht sagen, weil sie davon überzeugt sind, daß das, was du machst, für sie brauchbar ist." |
| "Mit den Amerikanern ist es ein bißchen schwieriger. Ich arbeite sehr wenig mit Amerikanern. Bei den amerikanischen Heften beispielsweise ist es sehr schwer, sich durchzusetzen und das zu machen, was man will. Beispiel Vogue: Die amerikanische Vogue fasst sich so auf: Die zeigen ihre jüngste Ausgabe, und die Fotografen sollen liefern , was die Vogue braucht. Die europäischen Zeitschriften sind anders: Die Fotografen können sich ausdrücken. Ich meine, das ist überhaupt d e r Unterschied." |
| "Wenn du in Deutschland bist, kannst du nicht international arbeiten. Kein japanischer Auftraggeber kommt für die Fotografie nach Deutschland, kein amerikanischer, kein italienischer. Und dadurch hast du hier auch einen beschränkten Markt, auf dem du nicht sagen kannst, das ist mein Stil, rechts und links davon mache ich nichts. Wovon willst du dann leben. Aber in Paris kannst du das machen, da kommen die Amis, kommen die Italiener, sehr viele Italiener, und viele, viele Japaner. Das ist ein wichtiger Unterschied." |
| "Wenn du viele Jobs machst, bei denen du weißt: das bist nicht du, dann weißt du nachher nicht mehr, w a s du bist. Aber wenn die anderen dich akzeptiert haben, dann kannst du darauf aufbauen. Dann kannst du das machen, was du willst. Und wenn du das machst, was du willst, dann bist du einfach glücklich und zufrieden." |
| "So leichte Blockierungen, das merke ich an mir, die kommen, wenn was besonders Wichtiges da ist, dann hast du viel mehr Schwierigkeiten, auf den Punkt zu kommen, als wenn du was ganz easy nimmst. Und im Laufe der Zeit nimmst du auch die wichtigen Sachen easy. Ich konnte nachts immer nicht schlafen, wenn ich am nächsten Tag eine Verkäuferin im Radiogeschäft fotografieren mußte, ein Portrait, wo ich einen Blitz hatte und das Tageslicht aber auch mit reinkam, und ich dachte, mein Gott, wenn jetzt die Sonne aufhören würde zu scheinen, was machst du dann? Ja, ich lag schweißnaß im Bett. Heute sind die Probleme viel, viel größer, aber ich habe gelernt. Ich stehe auf, frühstücke, bringe meine Kinder zur Schule, und dann gehe ich da hin, und dann wird sich das schon regeln. Das ist ein tolles Gefühl, aber es braucht Zeit, bis du das entwickelst." |
| "Die Deutschen beschweren sich zum Beispiel immer, sie wären so gut, wenn es nicht die Art Directors gäbe - darüber rege ich mich ganz fürchterlich auf, weil ich finde, ein Art Director ist sehr fruchtbar." |
| Die Zitate sind dem Band "Objektive sehen nicht" von Albert Schoepflin entnommen. Interessenten können das rund 80 Seiten starke Buch über die Faxnummer (089) 811 4383 zum Preis von DM 14.50 bestellen. Neben Peter Lindbergh enthält es Interviews zur Berufsfotografie mit Peter Knaup, Reinhart Wolf, Thomas Höpker, Monika Robl, Peter Knapp, Marion de Beauprés, Michael Schirner u.a. |