Deutsche sehen Schweizer

Du schöne Schweiz, in Europas Mitte gelegen, vom Rheinfall bei Schaffhausen bis zum Lago Maggiore, vom Genfer See bis Graubünden erstrecken sich deine hohen Berge.

"Du bist schön ohne die Schweizer", sagt man in Deutschland, du obskure Alpenrepublik, du, die du dich immer als etwas Besseres wähnst, als deine Nachbarn, selbstgerecht und saturiert, so lauten die Vorurteile, die wir Deutsche immer auf dich projezieren, aufgrund unserer eigenen Fehler und Schwächen.

Du schöne, neutrale Schweiz, wie du uns blendest mit deinem Image, von Hochglanzpostern in den Farben Blau, Weiß und Rot auf uns herniederstrahlst, das Rote Kreuz stets assoziert, vermittelst du uns ein Bild des Gran Paradiso.

Du schöne, heile Schweiz, Künstler verherrlichen das Glück in deiner Republik leben zu dürfen: Von Anker bis Zünd, von 1848 bis 1900, als du dich von der alten Eidgenossenschaft mit ihren selbstherrlichen Kantonen und ihren bäuerlichen Gepräge in ein modernes nationalstaatliches Wesen verwandelt hast. Freie Sicht aufs Mittelmeer versprechen dir hingegen, du schöne, hermetische Schweiz, deine Künstler heute, um Helvetische Wetterlagen mit dem Weltklima in Bezug zu setzen.

Du ewige bündige Schweiz, kein anderer als Schiller hat uns Deutschen deinen Freiheitswillen in Gestalt dieses Jägers mit Armbrust, dieses sagenhaftesten Helden Tell, so nahe gebracht - selbst dein über deine Landesgrenzen hinaus berühmter Hodler vermochte es nicht, mit seinem monumentalen, symbolhaft überhöhten Heilsbringer Tell, die erneuernde Kraft der Geschichte heraufzubeschwören.

"Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr..." so hast du uns, du goldene Schweiz, deine Einheit beschworen, ein wenig Bunkermetalität schon damals verheißend, sich hinter den Bergen gegen äußere Feinde verschanzend. Nicht alles, was glänzt, ist eben Gold, unfrei nach Goethe, der 1779 Lavater in der "Reblaube" des wasserblauen Zürichs besuchte. Die Welt führt Krieg, Tu Felix Helvetia bereicherst dich daran. Haben wir Deutsche es nicht schon immer gewußt: hinter den goldglänzenden Fassaden deiner Banken entfaltet sich brauner Mief.

Du Land des Sturmgewehrs und des Schweizer Messers; letzteres: nützlich, praktisch, präzise und zuverlässig, funktionierend wie ein Uhrwerk, wichtigstes Utensil der Armee; eine Erfindung, die zum Qualitätsmerkmal deiner ganzen Nation wurde - eigentlich hätten wir Deutsche es erfinden müssen.

Du saubere, "ausländerfreie" Schweiz, du Land der Hoteliers und der Eisenbahnen, dieses Musters an Pünktlichkeit, dieses Meisterwerks der Technik, das nun mal nicht auskommt ohne die zahlosen Brücken und Tunnels; Bahnen, die in reizvoller Landschaft dahinfahren, den Blickkontakt zulassen zu glücklichen Montafonern auf saftigen Bergwiesen, alphornblasenden Bauern und last not least zu Heidi, deren Welt ja bekannterweise die Berge sind!!!