Die Ausstellung

BigPlayers
Oder:
Die große Lust auf große Bilder

Eine Fotoplakat-Ausstellung im öffentlichen Raum

I. Die Idee
II. Die Ausstellung im öffentlichen Raum
III. Die Exponate


I. Die Idee

Die einen wünschen sich Fotografien plakatgerecht: Starke Bilder für den öffentlichen Raum. Die anderen wünschen sich Plakatwände fotografiegerecht: Einen starken Auftritt für starke Bilder. Beide zusammen entwickeln die Idee einer Fotoplakat-Ausstellung im öffentlichen Raum; auf der einen Seite die Deutsche Städte-Reklame GmbH (DSR) auf der anderen Seite die Deutsche Fototage GmbH.

Großflächen der DSR werden für einige Wochen zur Galerie, zum Museum für zeitgenössische Fotografie in Deutschland. Die Fotoplakat-Ausstellung im öffentlichen Raum dient der DSR als Anlaß zu zeigen, wie stark der öffentliche Auftritt sein kann. Für die Deutschen Fototage ist der großformatige Auftritt ideale Gelegenheit, Fotografien aufregend zu präsentieren.

II. Die Ausstellung im öffentlichen Raum

Die komplette Ausstellung wiegt zwanzig Kilo. Sie besteht aus 80 Viertelplakaten, aus zwanzig gedruckten Fotografien im Format von 2,5 mal 3,5 Metern. Sie kann, weil sie eine Drucksache ist, an beliebig vielen Orten gleichzeitig ausgestellt werden.

Dort, wo sie präsentiert wird, ist die Ausstellung 24 Stunden zugänglich. Sie ist so bei Tag- und Nacht- und Kunstlicht zu sehen.

Der Ausstellungsbesucher weiß erst einmal nichts von seinem Ausstellungsbesuch. Er ist auf dem Weg zur Arbeit, hat die Hände voller Tüten oder am Steuer, den Kopf voller Gedanken. Er bezahlt den Eintritt in die Ausstellung nicht, wird nicht durch eine Museumsarchitektur zur Meditation verleitet, die Aura der Kunstwerke ergreift ihn nicht zwingend im respektheischenden Ambiente, nichts von alledem, was an Inszenierungstechniken bekannt ist, hilft der Orientierung. Er trifft einfach auf zwanzig starke Fotografien, die in den Silhouetten des Alltags stehen.

Befreit von der konkreten Aufgabe der Werbung, stellen sich die Fotografien in die Wege des Alltäglichen. Einige der Exponate sind sehr unmittelbar und einfach, andere entziehen sich dem ersten Blick, zwingen zu zweiten und dritten.

III. Die Exponate

Die temporäre Fotoplakat-Ausstellung thematisiert Einblicke in die zeitgenössische Fotografie in Deutschland. Den ausgestellten Fotografien gemeinsam ist die Unterschiedlichkeit der verwendeten Techniken und die Tatsache, daß alle beteiligten Fotografen ihre deutsche Sprache gemeinsam haben, alle, bis auf einen, haben auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Techniken: Zwei Vaterschaftsklagen kennt die Fotografie, von Nièpce stammt die französische: Er hatte bereits in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Direktpositiv erstellt: Das Bild, eine Aussicht aus seinem Fenster, wurde direkt auf Stein belichtet. Der andere, Talbot, reichte eine britische ein; die Fotografie hat sich weitgehend tatsächlich sein Negativ-Positiv-Verfahren angeeignet, ihm gelang aufgrund seiner Negative, eine größere Anzahl von Positiven von ein und demselben Motiv. Bis heute sind beide Verfahren präsent: Ein Sofortbild, beispielsweise von Polaroid, ist einmalig, ist Unikat. Der Bromöldruck von Martin Pudenz gibt hierfür ein Beispiel.

Peter Lindbergh, Barbara Klemm, Gerhard Vormwald und Brigita Krause stehen für die klassische Fotografie, die mit dem signierten Abzug, das das Original definiert, Abzüge spärlich zieht und ihre Auflage verbindlich limitiert.

Heino Heimann und Peter Knaup arbeiten meist mit einem Dia - ihre Farbfotografie wird nicht von ihnen selbst abgezogen, sondern von professionellen Studios nach exakten Anweisungen solange vorgelegt, bis der Fotograf sein Bild erkennt.

Die Fortführung des Negatives mit digitalen Mitteln hat die Fotografie wahrlich reproduzierbar gemacht: Für die computergestützte Fotografie stehen gleich zwei Exponenten, Stefano Boragno steht für die Generation von Fotografen, die mit Computern aufgewachsen ist, für die der Rechner Handwerkszeug der Fotografie, vergleichbar mit unterschiedlichen Objektiven und Kameras, ist. Johannes Deutsch hat über die Malerei den Computer gefunden und verschmilzt sie mit der Fotografie. Das Original ist auf einem Computerbildschirm zu finden, ein signierter Abzug ist (fast) eine Fälschung.

Ob Baryt, Ilfochrome, Kolorierung oder Farbfotografie, ob Unikat oder Massenauflage: BigPlayers liefert dem Interessierten anschaulich eine Dokumentation verschiedenster technischer Möglichkeiten, einem starken Foto auf die Beine zu helfen. Zwanzig Fotografen auszuwählen bedeutete, an der Fülle zu leiden. Drei Sparten sollten, einigermaßen realiter, repräsentiert werden: Die Kunst, die Werbung und der Journalismus; für eine Ausstellung im öffentlichen Raum, sozusagen natürlich, mit besonderer Berücksichtigung der Werbung. Aber die drei Sparten sind, wie Regeln allesamt, von Ausnahmen durchsetzt:

Barbara Klemm arbeitet während ihrer gesamten beruflichen Karriere für Zeitungen, allen voran für die Frankfurter Allgemeine. "Aber" viele ihrer Bilder hängen unangefochten in Kunstmuseen, 1991 widmete ihr das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main eine prominente Einzelausstellung.

Peter Lindbergh ist für seine Modefotografie berühmt, die für die Werbung entstand. Aber ernstzunehmende Kunstsammler sind durchaus bereit, für sein signiertes Original Kunstmarktpreise zu zahlen. Und die Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main widmete ihm 1996 eine thematisierende Einzelausstellung.

Olaf Martens wurde 1996 im Rheinischen Landesmuseum Bonn von Prof. Klaus Honnef vorgestellt, dem entdeckungsfröhlichen Museumsmann in Deutschland, der nicht nur Helmut Newton oder etwa Robert Mapplethorpe für die Museen in Deutschland entdeckte. Auch Martens Fotografie entsteht überwiegend im Auftrag von Zeitschriften, ob Frankfurter Allgemeine-Magazin oder Stern. Sie ist gleichermaßen journalistische Fotografie, Modefotografie und Fotokunst.

Ben Oyne und Gerhard Vormwald haben fotografiert, daß es eine wahre Kunst ist. Beide profilierte Vertreter der Werbefotografie - Oyne außerdem als Werbefilm-Regisseur, für die ARD oder das ZDF beispielsweise, überragend - sind nicht nur nebenher einer Fotografie mit sehr hohen Ansprüchen verpflichtet. Auch wenn man sie der Werbung zuordnet, bleiben die Bilder weit über das der Werbung innewohnende Verfallsdatum der Aktualität hinaus gültig, aussagekräftig, über die Zeit, deren Begleiter sie sind, Auskunft erteilend.

Definieren wir anders: Es gibt eine angewandte Fotografie, die im Auftrag entsteht und es gibt eine freie Fotografie, die ohne Auftrag zustande kommt. BigPlayers hat Freiheit gehabt und abzugsfrei weitergereicht, das Briefing war eher eine Frage: "Gibt es eine Fotografie, die Sie immer schon mal ganz groß sehen wollten?" Die erste Reaktion hieß immer ein klares "Aber klar doch!" - und trotzdem haben die meisten Beteiligten eigens auf den Auslöser gedrückt, wollten die wenigsten ein Foto aus ihrem Bildarchiv eingeben. Ein Foto zu vergrößern ist nämlich etwas ganz anderes, als ein großformatiges Foto zu schaffen. Auch ohne detailliertes Briefing ist jedem Beteiligten klar, daß die Ausstellung sich einer ganz besonderen Herausforderung stellt: Der Besucher weiß von nichts, die Museumswand steht im Getümmel, es regnet vielleicht, im Einkaufstrubel können zwei Sekunden Blickkontakt leicht verloren gehen... Das muß ein ganz, ganz starkes Bild sein.

 

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